Spurensuche nach tausend Schritten

STADTJUBILÄUM: Kunst-Happening startete am Aulturm

ARCHIV-ARTIKEL aus dem Bergsträßer Anzeiger vom 14.05.2012

1000Schritte

ZWINGENBERG. Da stand man nun oberhalb des Stadtgebietes und fragte sich mit dem Blick vom Blütenweg in die weitläufige Riedgemarkung, wie mag das wohl vor 1000 Jahren ausgesehen haben? „Da war nichts, nur Sumpfgelände“, war zu hören, aber auch die Feststellung: „Zwingenberg ist einfach wunderschön“.

Tonklumpen als Sammelschatulle

Die Eindrücke, die die Teilnehmer des kleinen Kunst-Happenings am Samstag 1000 Schritte nach ihrem Start am Aulturm gesammelt hatten, waren ganz unterschiedlich und zum Teil sehr kreativ.

So verwandelte sich der Tonklumpen, den jeder Spurensuchende quasi als „Sammelschatulle“ mit sich führte, bei Dieter Kullak von der nackten Tonfigur zum mit Fundstücken gespickten „Ötzi von Getwinc“.

Das Kunst-Happening, das bei idealen Rahmenbedingungen am Samstagvormittag an der Aul gestartet wurde, war eine Gemeinschaftsaktion vom Förderkreis Kunst & Kultur, vom Geschichtsverein, vom Theater Mobile und von der Stadtbücherei.

Drei Wegstrecken möglich

Es war der Versuch, das Stadtjubiläum anlässlich der ersten urkundlichen Erwähnung von Zwingenberg (Getwinc) vor 1000 Jahren auf interaktive Weise ins Bewusstsein zu bringen. Ein durchaus gelungener und origineller Versuch, auch wenn er mehr Teilnehmer verdient hätte. Denn die Organisatoren haben viel Engagement und Zeit investiert und geschickt unterschiedliche kulturelle Institutionen der Stadt vereint.

Es wurden Tonklumpen und Fähnchen vorbereitet und ein „Laufzettel“ gestaltet, auf dem die Teilnehmer nach 1000 Schritten ihre Eindrücke auch schriftlich festhalten konnten.

Das „Zeitfenster“ für die Rückbesinnung auf 1000 Jahre Stadtgeschichte war der Torbogen des Aulturms. Von dort waren drei Wegstrecken möglich: zum Steinbruch Richtung Alsbach, zum Steinbruch Richtung Luciberg oder über die Lange Schneise auf dem Blütenweg.

Jeweils nach 100 Schritten nahm man ein „Fundstück“ auf und „archivierte“ es auf dem Tonklumpen als Zählhilfe.

Was dahinter steckte, hatte Berenike Neumeister vom Geschichtsverein zu Beginn der Spurensuche erläutert. „Vieles in der Geschichte ist durch Zufall bestimmt und so wird auch der jeweilige Zielpunkt nach 1000 Schritten ganz davon abhängen, wie groß die jeweiligen Schritte waren und in welche Richtung sie führten.“

Gleiches galt auch für die individuellen Eindrücke, die jeder am Ende der Spurensuche festhalten sollte, wie die Leiterin der Stadtbücherei, Angelika Graf, als Vertreterin des geschriebenen Wortes ausführte.

Brigitte Hammacher vom Theater Mobile verglich das Sammeln der „Requisiten am Wegesrand“ mit der Gestaltung eines „Bühnenbildes im Rund des Natur-Amphitheaters, auf dessen Bühne irgendwo einst Zwingenberg gewachsen ist“.

Katharina Ziemann vom Förderkreis Kunst & Kultur hatte die Tonstücke vorbereitet und bat um das Sammeln von „Abdrücken vom jeweiligen Eindruck“.

Originelle Rückschau

An den jeweiligen Zielpunkten, die von den mitgeführten Fähnchen markiert wurden, deponierten die Teilnehmer des Kunst-Happenings auch ihre ganz individuellen „Abdrücke“, die von den Organisatoren am Ende dokumentiert und eingesammelt wurden.

Im Rahmen einer Ausstellung in der Remise, die am 26. August um 11 Uhr eröffnet wird, soll auch die Dokumentation dieser Aktion zu sehen sein. In ihrer Begrüßung hatte die Zwingenberger Künstlerin Ulrike Fried-Heufel an die im Lorscher Codex dokumentierten, am gleichen Tag vor 1000 Jahren verliehenen Jagdrechte erinnert.

Dank sagte sie Jagdpächter Hubert Diry, der dies mit einem Signal auf seinem Jagdhorn untermauerte.

Die Künstlerin sprach von einem denkwürdigen Tag, an dem man eine originelle und auch physisch erfahrbare Rückschau halte.

Die Spurensuche sei spontan und kreativ angelegt, aber Besinnung, Würdigung und ernsthafte Reflexion wolle man dennoch nicht außer Acht lassen. js

© Bergsträßer Anzeiger, Montag, 14.05.2012

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