Die Chattenberg-Säule stand nicht lange

ARCHIV-ARTIKEL VOM FREITAG, DEN 02.03.2012

12_03_02_imageZWINGENBERG. Der Melibokus ist eine Landmarke an der vorderen Bergstraße. Bei gutem Wetter sichtbar von
der Hardt, Rheinhessen, Taunus und auch vom hinteren Odenwald. Früher – und auch noch heute von älteren
Zwingenbergern – Malschen genannt, wird er seit 1772 von einem Turm gekrönt. Im Herbst 1772 hatte der
Darmstädter Landgraf Ludwig IX. einen ersten Turm, den er „Säule“ nannte auf dem „Chattenberg“ errichten
lassen, der nur wenige Tage später einstürzte.
Das hinderte den Landgrafen nicht, dennoch seinen Plan umzusetzen. Am 12. Dezember des gleichen Jahres
wurde der Turm auf dem Malschen vollendet.
Für den Aufbau des Turms musste die fronpflichtige Bevölkerung der Landgrafschaft Hand- und Spanndienste
leisten. Über Generationen hinweg war der Aussichtsturm auf dem Melibokus, wie er dann auch
kartographisch genannt wurde, ein viel besuchtes Ausflugszeit. Ein kleines Rasthaus wurde eingerichtet, wie
aus alten Ansichtskarten ersichtlich ist. Im 1. und 2. Weltkrieg diente der Melibokusturm militärischen
Zwecken. Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges, am 27. März 1945, wurde der Turm von der deutschen
Wehrmacht gesprengt.

Neuer Turm steht seit 1966

Mehrere Jahre, zu Zeiten des „Kalten Krieges“, war der Melibokusgipfel für Ausflügler nicht zugänglich, denn
dort unterhielten die amerikanischen Truppen eine Radiostation für militärische Zwecke.
Nachdem Anfang der 6oer Jahre Kommunalpolitiker aus Alsbach, Auerbach, Bensheim, Bickenbach,
Jugenheim und Zwingenberg den heutigen Melibokusturmverein gegründet hatten und sich für einen neuen
Aussichtsturm engagierten, war es dann am 7. September 1966 soweit: Der mit finanzieller Unterstützung des
Landes Hessen erbaute neue Aussichtsturm auf dem Melibokus wurde seiner Bestimmung übergeben. Seit
dem Abzug der amerikanischen Truppen aus der Region, mit dem Abriss des militärischen Einrichtungen auf
dem Melibokusgipfel verbunden, wird der Melibokus von Wanderern, Mountainbikefahrern und
Drachenfliegern genutzt, denn der Pkw-Verkehr ist nach wie vor untersagt. Seit April 2011 bietet der
Geschichtsverein Zwingenberg monatlich Planwagenfahrten zum Melibokusturm an.
Der Kur- und Verkehrsverein Auerbach hatte im letzten Jahr im Auerbacher Bürgerhaus Kronepark eine gut
besuchte Ausstellung zu den „Auerbacher Melibokustürmen“ veranstaltet. Bilder, Ansichtskarten und Fotos
von den Melibostürmen von früher bis heute, auch ein Ausschnitt aus dem „Gästebuch“ des Melibokusturms,
wurden dort gezeigt. Der „Förderkreis Kunst und Kultur Zwingenberg e.V.“ holt nun, in Kooperation mit dem
Auerbacher Kur- und Verkehrsverein diese Ausstellung nach Zwingenberg.
Eröffnet wird die Ausstellung am 10. März (Samstag) um 17 Uhr in der Remise am Alten Amtsgericht (Obertor
1) von Bürgermeister a.D. Dieter Kullak, Vorsitzender des Vereins „Förderkreis Kunst und Kultur
Zwingenberg“. Karl-Wilfried Hamel, Vorsitzender des Auerbacher Kur- und Verkehrsvereins, wird nähere
Erläuterungen zur Ausstellung geben. Die Ausstellung ist dann am 11. März (Sonntag) sowie am
darauffolgenden Wochenende 17. und 18. März geöffnet.

Die Ausstellung ist ein Beitrag des Vereins zum Programm zur Erwähnung von „locum Getwinc“
im Jahr 1012 im Lorscher Codex, also vor exakt 1000 Jahren.

Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos.

© Bergsträßer Anzeiger, Freitag, 02.03.2012

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